Von Friederike Kretzen
Hasen schlafen mit offenen Augen, sagt Flaubert. Flughasen schlafen zudem mit hochgestellten Ohren. Und nur in London. Der Flughase ist ein Tier in London. Seit ich ein Jahr dort gelebt habe, schaue ich noch immer so unbestimmt in den Himmel. Noch immer suche ich nach dem Sternbild, dem Sternbild des Flughasen. Flughase / NZZ 07.03.1995, S. 47 weiterlesen
Archiv der Kategorie: Essays
Der gelbe Hund / NZZ 28.05.1996, S. 35
Von Friederike Kretzen
Als ich ihn das erste Mal sah, kam er mit seiner Herrin in den Zeitschriftenladen. Schon in der Tuer rief sie dem Ladenbesitzer ihr: Oh, I know, you are busy, Bob, zu. Das tat sie uebrigens in jedem Laden, in den ich sie seitdem eintreten sah. An diesem Tag hatte sie ihr Rouge eher heftig aufgetragen. Der gelbe Hund / NZZ 28.05.1996, S. 35 weiterlesen
Panther / NZZ 07.01.1997, S. 39
Von Friederike Kretzen
Und für die Spaghetti war er gerne bereit, ihr Spiel zu spielen, was sie doch so liebte. Sie spielten dann Sir und Lady. How is the Empire, Sir? fragte sie und er bellte dann: Well, well, Mylady. Panther / NZZ 07.01.1997, S. 39 weiterlesen
Birdland / NZZ 03.03.1997, S. 44
Die blutrünstigen englischen Hunde werden friedlich, Babys hören auf zu schreien, und es geschehen Wunder: Die Parks sind Londons Umkehrorte.
Von Friederike Kretzen
NEIN, SAGT DIE JUNGE FRAU, Nein, und sie geht weiter. Sie schaut sich noch nicht einmal um. Immer sagt sie Nein. Und vor und nach jedem Nein macht sie eine Pause. Quer durch den Regent’s Park spricht sie ihre Nein-Girlande in die frische, winterliche Luft. Birdland / NZZ 03.03.1997, S. 44 weiterlesen
Gesang des vergeblichen Wartens /Die ungeheure Textwelt der Catherine Colomb. Eine Annäherung / NZZ 08.08.1998, S. 62
Von Friederike Kretzen
In dem Kosmos der Westschweizer Autorin Catherine Colomb (1892-1965) sind die Lebenden und die Toten gleichermassen zu Hause. Ihre Romane sind so etwas wie ein Haus, das in der Gleichzeitigkeit errichtet ist, es gibt in ihnen kein Früher und Später, kein Oben und Unten. Die Texte öffnen sich auf ein „fernerhin“, das sich räumlich und zeitlich ausdehnt. In einer poetischen Annäherung an ihr literarisches Vorbild versucht die Schriftstellerin Friederike Kretzen die Bewegung der Texte nachzuvollziehen. Gesang des vergeblichen Wartens /Die ungeheure Textwelt der Catherine Colomb. Eine Annäherung / NZZ 08.08.1998, S. 62 weiterlesen
Der schräge Spiegel im Hinterkopf /Hilda Doolittles Roman „Hermione“ / NZZ, 19.06.1999
Von Friederike Kretzen
Hilda Doolittles „Hermione“ gehört als kunstvoll verfremdetes Selbstporträt der jungen Autorin zu den faszinierendsten Texten der literarischen Moderne; die Schriftstellerin Friederike Kretzen sucht eine kongeniale Annäherung an das Werk. Der schräge Spiegel im Hinterkopf /Hilda Doolittles Roman „Hermione“ / NZZ, 19.06.1999 weiterlesen
Poes Brief /Klarheit der Sprache – eine Intervention / NZZ , 19.08.00
Von Friederike Kretzen
Klarheit wird gerne als Ordnung, und zwar im Sinne vorsätzlicher Regeln, verstanden. Doch lässt sich, was klar zu sein scheint, nicht abstrakt bestimmen. Denn Klarheit ist eine Frage der Verhältnisse. Und eine der Sprache. Poes Brief /Klarheit der Sprache – eine Intervention / NZZ , 19.08.00 weiterlesen
Blick in Zeitschriften /Literarischer Reigen / Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2000, S. 60
Das Spiel ist so einfach wie reizvoll: Man nehme einen literarischen Text und lasse die Spuren, die er legt, von Autorinnen und Autoren lesen. Oder deuten. Oder beschreiben. Denn eigentlich ist Schreiben ja immer ein Versuch, sich mit der eigenen Erfahrung, zu der das gelesene Fremde selbstredend gehört, auf einem imaginären Weg fortzubewegen. Vielleicht seien Texte „Koffer oder ganze Gepäckwagen“, meint Friederike Kretzen, und Schreiben wäre dann ein „einziges Kofferpacken, Umziehen auch“. Blick in Zeitschriften /Literarischer Reigen / Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2000, S. 60 weiterlesen
Sprechabgewandte Gegend / Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2000, S. 83
Das Selbstgespräch ist zunächst eine Übung zum Warmwerden. Es hilft immer, um in etwas hineinzukommen. Sei es Wut, Liebe oder Angst. Sogar Vernunft öffnet ihre Türen, drauflos redend rennst du sie ein. Hier wird selbst gesprochen, steht an der Tür, die offen steht, und du bist sie eingerannt und hast schon angefangen zu zetern. Du willst vom selben sprechen, sagst du und zeterst weiter. Traut ist es hier nicht. Kein Selbstgespräch versteht sich von selbst. Das liegt am Selbst des Gesprächs, das anders ist, und es spricht, als wäre es der Mond. Sprechabgewandte Gegend / Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2000, S. 83 weiterlesen
Kolumne 7.Oktober 2006
7.Oktober 2006
Es ist vertrackt. Kaum schauen wir uns etwas genauer an – beispielsweise uns selbst -, schon fängt es an, ungenau zu erkennen zu sein. Dabei dachten wird doch, es sei klar und entschieden, schon ist es etwas anderes geworden. Kolumne 7.Oktober 2006 weiterlesen