Friederike Kretzen
Von Sprachmüttern und anderen schönen Gefahren beim Schreiben
Ein Seminar über das Suchen und die Kunst, sich auf falsche Bewegungen einzulassen.
Eine äusserst strenge Sprachmutter können wir bei Walser in einem von Diaz gemalten Wald treffen. Dort trennt sich diese Mutter von ihrem Kind, schickt es in die Welt, weg von sich und ihrem Rock. Sie will, dass es kein verwöhnter und falscher Mensch wird; es soll nicht innerlich verwildern und verzärteln. Darum wagt sie es, ihr Kind der Härte, der Ungerechtigkeit, all dem Schweren, was Menschen miteinander unterhalten, auszusetzen. So, sagt sie, wird es denken und lieben lernen.
Von einer anderen Gefahr, einer schönen, spricht Foucault in einem kleinen Interview-Band, der von seinem Schreiben handelt: Le Beau Danger. Auf Deutsch heisst der Band: Das giftige Herz der Dinge. Es erkennen zu wollen, ist, was für Foucault die schöne Gefahr ausmacht. Die vor allem darin besteht, das Herz nicht aufzuschneiden, sondern es in einer möglichst sanften Sprache zu erkunden.
In einem frühen Text von Handke sucht einer nicht das Schreiben, sondern er will das Schreiben Wollen. Diese Suche nennt er Falsche Bewegung. Sie ist die Form, in dem sich ihm das Schreiben Wollen ergibt.
Drei Gefahren, drei Aufgaben, eine Mutter: Die Sprache.
Gerne möchte ich mit Ihnen zusammen das Weggehen, das Weitergehen und Suchen erproben. Die schöne Gefahr des Schreibens ergibt sich aus der Möglichkeit der falschen Bewegung. Auch die sollten wir üben und zu uns nehmen.

