Film und Familie

Die Rolle meiner Familie bei der Weltrevolution, heisst ein früher Roman von Bora Cosic, der von seiner Familie und der sie umtosenden Weltrevolution handelt, und in dem es den Satz gibt: Alles, was wir vortrugen, war unverständlich, aber es betraf in erster Linie die Weltrevolution und unsere Rolle darin.Auch ohne Weltrevolution sind Familien etwas, das nur schwer – vielleicht auch gar nicht – zu verstehen ist. Eine der berühmtesten Familien der Weltgeschichte sind die Atriden. Sie geben uns schon mal ein gutes Mass an Dramatik und Tragik vor. Jedenfalls fordern sie die Götter heraus und die können nicht anders – selbst in Familienbande verstrickt, – als einzugreifen. 

In meiner Jugend lasen ungefähr alle Soziologiestudierenden das Kultbuch von David Cooper: Der Tod der Familie. Wer es noch genauer wissen wollte, las den Sammelband: Schizophrenie und Familie. Ich habe ihn mit zwanzig gelesen, und die darin zusammengetragenen Analysen waren ein schöner Blitz; plötzlich konnte ich Familie als etwas sehen, das nicht zwangsläufig so sein musste, wie es war. Auch wenn wir in Familien hineingeboren werden, sind und bleiben sie eine Konstruktion, die auch anders gelebt und gestaltet werden kann. 

In meinem Buch «Übungen für einen Aufstand»  gibt es eine Übung für Familie. Da heisst es: Familien machen einen verrückt. Was immer sofortigen Widerspruch auslöst. Dabei können wir das schon bei den Atriden lesen.

Wie auch immer wir von und mit unseren Familien denken und fühlen, sie sind immer da, sie sind schon da, bevor wir auf die Welt kommen. Und egal wie wir auf die Welt kommen, wir kommen in eine, meistens mehrere Familien, sind sofort Teil von ihnen.

In diesem Seminar möchte ich mit Ihnen verschiedene Blicke von Filmemachern auf das, was wir Familie nennen, studieren. Und schauen, was wir davon mitnehmen können. 

Filme, die ich mit Ihnen schauen möchte: 

Peter Liechti: Vaters Garten

Chantal Akerman: No Home Mowie

Yasujiro Ozu: Tokyo Monogatari

John Cassavetes: Love Streams