Was ist wirklich?

Ausschreibung HGKKZ SS 05

Was ist wirklich und was wäre dessen Gegenteil? Schnell lassen wir uns hinreissen zu sagen, das ist doch gar nicht wirklich. Dem nicht Wirklichen haftet der Verdacht des Unwahren, des nicht Nachvollziehbaren an. Aber kann nicht auch das Gefühl von Unwirklichkeit wirklich sein, und was bedeutet das dann für das Gefühl? Oder gibt es zum Beispiel unwirkliche Wörter im Unterschied zu wirklichen? Was ist wirklich? weiterlesen

Weisen des Erinnerns / Schreibweisen

Theoriewoche 11.9.- 15.9.95 HGKZ

Was geschieht, wenn wir uns erinnern? Was tritt da auf die Bühne und in welche Kulisse hinein? Von wo kommt das Licht, in dem die Erinnerung ihren Auftritt nimmt? Was spielt die Erinnerung, an was erinnert sie uns? Ja, uns, die wir uns erinnern? Sitzen wir im Souffleurkasten, im Zuschauerraum, oder haben wir das Theater bereits wieder verlassen, in dem die Erinnerung auf anderes anspielt? Weisen des Erinnerns / Schreibweisen weiterlesen

Im Schlafsaal der Geschichte, Andrea Köhler, 24.4.07, NZZ

Was ist das? Ein surreales Kopfkissenbuch, ein spätmodernes Familienalbum, das Traumbild einer Epoche? So viel steht fest: Friederike Kretzens neues Buch erzählt keine Geschichte von A nach Z. „Weisses Album“ hat die Basler Autorin ihren siebten Roman genannt. Es ist ein Rätselbuch, das uns wie Hänsel und Gretel ins Hexenhaus der Geschichte lockt, in den langen Schlaf der Vernunft. In diesem Wald voller Finster- und Fährnisse sollen wir uns verirren. Ein Märchenbuch von der unpädagogischen Sorte. Hier werden Albträume dick gefüttert, hier liegen drei Töchter im hundertjährigen Schlaf. Friederike Kretzens „Album“ über die Nachkriegszeit und ihre deutschen Provinzen ist ein Roman über das allnächtliche Stillhalteabkommen mit der Zeit. Das liest man nicht in einem Zug. Aber in einem Sog, der uns tief in die Seiten zieht, hinab, hinein, unter die Oberfläche der Welt.
Im Schlafsaal der Geschichte, Andrea Köhler, 24.4.07, NZZ weiterlesen

Besprechung Weisses Album: Freitag 12 / 23.3.07 / Werner Jung

Zunächst und zumeist: ein schwieriger Text, den Friederike Kretzen da vorgelegt hat, sperrig und irritierend, ja verwirrend. Und daher anstrengend. Kein Pageturner, nichts, um darin ab- und wegzutauchen. Sondern ein Erzähltext, wenn man so will: ein Roman, der höchste Aufmerksamkeit und Konzentration verlangt, aber auch dann noch ob seiner kaskadischen Bilderfluten den Leser arg strapaziert. Doch dann steigen aus dem Wörtermeer Szenen und Bilder von geradezu betörender Sinnlichkeit und schmerzhafter Schönheit auf. Besprechung Weisses Album: Freitag 12 / 23.3.07 / Werner Jung weiterlesen

Einführung von Samuel Moser zur Lesung aus „Weisses Album“

Literaturhaus Basel, 13. März 2007

Ich möchte hier nicht etwas sagen zur Jugend Friederike Kretzens und zu den 60er/70er Jahren. Auch nicht zu Leverkusen, Bayer-Leverkusen. Darüber redet das Buch. Wie übrigens andere Bücher von Friederike Kretzen auch schon. Weder Eltern, noch Grosseltern, noch Geschwister, noch Tanten, Onkel, Cousinen, weder Orte und Zeiten noch Handlungen sind neu. Und auch viele Motive nicht. Was aber dann? Das Buch, seine Sprache. Einführung von Samuel Moser zur Lesung aus „Weisses Album“ weiterlesen

Im grossen Schlafsaal der Geschichte: Buchkritik von Christine Richard, BAZ

5.3.07: Die Basler Autorin Friederike Kretzen und ihr wahnwitziges „Weisses Album“

Wer den Orientierungsverlust schätzt, um eine neue Richtung einschlagen zu können, ist hier genau richtig. Friederike Kretzens „Weisses Album“ ist ein Hit für Abenteurer-Naturen unter den Lesern.

Die Sonne scheint. Die Welt scheint schön. Die Autorin strahlt. Ihr neuer Roman indes ist der helle Wahn. Ein Zombie-Thriller der seltsamen Art – geistvoll, voller Geister. Drei junge Frauen sprechen. Sprechen im Wechsel von ihrem Leben. Von der Mutter, hundert Jahre tot. Von Bäumen und Bauernhöfen, verschlungen von den Chemie-Werken, bis auch die Industrie-Landschaft verödete. Sie reden und reden. Vom Nachbarskind – ein Gerippe im Bettchen. Die verflossenen Freunde – Trotzkisten, Maoisten. Reisen nach Griechenland, Marokko, Paris, Indien – Totentänze. Die Roxy-Bar nebenan, Zirkustiere, zwei Weltkriege, ein paar Märchen, die Studentenrevolte, die Bombe im Auto, keine Lust zur Aktion, das Theater im Kopf. Spielen, schlafen, spielen, alpträumen, schlafen. So zwitschern sie dahin, Elschen, Gitti und Hannah. Wie Vögelchen, die in verfallenen Theatern nisten. Oder in offenen Grabkammern flattern. Oder vom Rauch in den Lüften getrieben werden. Geisterhaft. Im grossen Schlafsaal der Geschichte: Buchkritik von Christine Richard, BAZ weiterlesen