5.3.07: Die Basler Autorin Friederike Kretzen und ihr wahnwitziges „Weisses Album“
Wer den Orientierungsverlust schätzt, um eine neue Richtung einschlagen zu können, ist hier genau richtig. Friederike Kretzens „Weisses Album“ ist ein Hit für Abenteurer-Naturen unter den Lesern.
Die Sonne scheint. Die Welt scheint schön. Die Autorin strahlt. Ihr neuer Roman indes ist der helle Wahn. Ein Zombie-Thriller der seltsamen Art – geistvoll, voller Geister. Drei junge Frauen sprechen. Sprechen im Wechsel von ihrem Leben. Von der Mutter, hundert Jahre tot. Von Bäumen und Bauernhöfen, verschlungen von den Chemie-Werken, bis auch die Industrie-Landschaft verödete. Sie reden und reden. Vom Nachbarskind – ein Gerippe im Bettchen. Die verflossenen Freunde – Trotzkisten, Maoisten. Reisen nach Griechenland, Marokko, Paris, Indien – Totentänze. Die Roxy-Bar nebenan, Zirkustiere, zwei Weltkriege, ein paar Märchen, die Studentenrevolte, die Bombe im Auto, keine Lust zur Aktion, das Theater im Kopf. Spielen, schlafen, spielen, alpträumen, schlafen. So zwitschern sie dahin, Elschen, Gitti und Hannah. Wie Vögelchen, die in verfallenen Theatern nisten. Oder in offenen Grabkammern flattern. Oder vom Rauch in den Lüften getrieben werden. Geisterhaft. Im grossen Schlafsaal der Geschichte: Buchkritik von Christine Richard, BAZ weiterlesen →