Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Großes Lob spendet Rezensentin Irene Bazinger diesem Roman über drei junge Menschen am Theater im Sommer 1982. Alle drei sind tagsüber mit der Produktion von Theaterstücken beschäftigt, abends sprechen sie in der gemeinsamen Küche über ihre Arbeit, so Bazinger. Nichts Dramatisches geschieht, doch diskutieren die drei so angeregt darüber, wie ein antiautoritäres, politisches Theater “ohne feste Aggregatzustände” - selbst der Tod wird abgelehnt - aussehen könnte, dass Nostalgie gar nicht erst aufkommt, lobt Bazinger.
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Manchmal sind das Leben und das Schreiben dasselbe
Das neue Buch der Basler Autorin Friederike Kretzen erzählt vom Sommer 1982: Drei Freunde suchen nach der Kunst des Lebens.
«Dies ist das Buch, das ich im Sommer 1982 gerne gelesen hätte», steht im Epilog des neuen Buchs «Natascha, Véronique und Paul» der Basler Autorin Friederike Kretzen. «Ein Buch, das zu jener Zeit zwar existierte, nur war es noch nicht geschrieben. Lesbar allerdings in den Blättern der Bäume, im Geäst der Strassen, zwischen den Theatern, in denen wir arbeiteten, auf den Bühnen und Schnürböden, in den Gängen dahinter und in den Gassen, im leeren Zuschauerraum, im Malersaal, am Rhein, auf dem kleinen See im Volkspark, wo wir Boot fuhren an einem langen Tag der Ratlosigkeit, aus dem wir das Beste zu machen versuchten, im Rauch aus den Kaminen von Köln-Wesseling, im Staub des brasilianischen Hochlands, der sich während der Proben auf uns legte, in den Zügen, die in der Nacht quer durch die Stadt hinter dem Haus in der Moltkestrasse die grossen Achsen befuhren.» (more…)

Köln in den 80ern: Dort sind Natascha, Véronique und Paul unterwegs. Foto: imago/Helga Lade
Aufrührerische Gefühle im Sommer 1982
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In ihrem neuen Roman “Natascha, Véronique und Paul” erzählt die Autorin Friederike Kretzen vom Sommer 1982. Das Buch ist eine Fortschreibung von Fragen, die in keiner Antwort ankommen können.
Sie konnten sich nicht vorstellen, jemals älter zu werden als vielleicht 28, 30 Jahre. Dabei wurden die Freunde Natascha, Véronique und Paul in Friedenszeiten geboren, in den Jahren des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders in Westdeutschland. Drei junge Erwachsene, die mit anderen im Sommer 1982 in einem selbstverwalteten Theater in Köln arbeiten. Sie sind maßlos und anspruchsvoll, wild und belesen; sie leben aus Leibeskräften. (more…)
Die einfühlsame Kritik von Andreas Nentwich endet mit folgendem Resumé: “… und wir wissen, dass es in der Kunst nur darum gehen kann, aus dem Vergänglichen das Glück, die Wut und die Sehnsucht zu lösen und unsterblich zu halten.”
Und hier findet man die Kritik in ihrer ganzen Länge: Kritik NZZ_an_Sonntag.pdf
Autoren und Übersetzer begegnen Schülern: Das Projekt gibt jungen Leuten aus verschiedenen Sprachregionen der Schweiz einmal im Jahr die Möglichkeit, zeitgenössische Literatur aus einem andern Sprachraum und die Kunst des Übersetzens kennenzulernen.
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Friederike Kretzens Roman «Natascha, Véronique und Paul»
Der neue Roman Friederike Kretzens beginnt wie mit einem Dreisprung, nur ohne Anlauf. Fast schon etwas salopp eröffnet er das Feld, auf dem er spielen wird: «Da war eine Frau. Véronique. Die war ich.» Die Einheit von Ich und Geschichte, die das Erzählen in der ersten Person suggeriert, wird gleich auseinanderdividiert. An allen Ecken und Enden lässt Friederike Kretzen die übereinander getragenen Röcke ihrer Protagonistin hervorschauen. Deckung – im doppelten Wortsinn – gibt es nicht. Schon der nächste Satz deutet an, weshalb: «Und da waren ein Sommer und eine Zeit, und die war ich auch, zusammen mit ein paar anderen, übrig geblieben nach den grossen Kriegen.»
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Ein Text wie ein traumartiges Gespinst. Friederike Kretzen erinnert sich in ihrem neusten Roman an die kreative Identitätssuche in den frühen achtziger Jahren. Den aufgeladenen Sommer 82 verwebt sie mit der Vergangenheit von 68 und der Gegenwart.
Im August 2009 hörte Friederike Kretzen am Radio «Gedenksendungen» zum 40. Jahrestag des legendären Woodstock-Festivals. Darin wurde vom Grossereignis der Hippies erzählt, als wäre es der Schlusspunkt einer Bewegung gewesen, die sich damit endgültig erledigt hätte.
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Bei ihrer Lesung vom 13. Februar 2012 in der Alten Schmiede Wien wurde Friederike Kretzen von Samuel Moser eingeführt. Die anschliessende Lesung das Gespräch wurde von August Bisinger gefilmt.
Es soll Gegenden geben, die der Mensch im Herzen trägt, die noch nicht existieren. Gegenden, in die der Schmerz eintreten muss, damit es sie gibt. Ob sie etwas mit Besinnung zu tun haben? Wie kommen wir zur Gegenwart und zur Besinnung? Gibt es ein Erkennungszeichen dafür? Offensichtlich braucht es Aufmerksamkeit, Bereitschaft für Bedeutungen, die offen sind, noch nicht festliegen. Ein Text über die Kraft der Fantasie und die Arbeit der Literatur.
Vor kurzem sass ich mit meiner Kollegin Eleonore Frey zusammen. Wir sprachen über das Leben, das Schreiben und was dabei die Gegenwart sein könnte. Da ich gerade ein Manuskript abgeschlossen habe, mich also plötzlich ausserhalb eines Textes wiederfinde, in dem ich ein paar Jahre gelebt habe, und da sie mich und diesen Zustand gut kennt, sagte sie mir: Du musst dir jetzt erst einmal wieder Löcher in die Gegenwart beissen. Was stimmt.
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Ist dies eine Zeichnung? Oder ein Plan zur Begehung des Unzugänglichen? Auf André Bretons Frage, was sein Atelier sei, soll Giacometti gesagt haben: Zwei kleine Füsse. Hier gehen sie. Rue Hippolyte Maindron, Weltraum. Von hier laufen Linien aus, hierher kehren sie zurück, kreuzen sich, bilden Flächen, empfindliche Häutchen, Schleier, Fetzen des grossen Segels. In ihrer Mitte wacht der Palast der Winde, Leuchtturm der Artisten. In seiner Takelage hängt eine unzulässige Mannschaft: ein Wurm, eine Sängerin, ein Trapezkünstler, und einer, in der obersten Kammer, übt den Aufflug. Es sind die Nachfahren von Hieronymus im Gehäuse, dessen Löwe liegt als Blitz getarnt auf dem Boden. Er wird niemanden hinauslassen.
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