Vom 8. bis 10. September 2006 findet im L’arc Romainmotier das erste Treffen eines von Friederike Kretzen initiierten Laboratoriums von Autorinnen und Autoren statt. Idee und Konzept des Laboratoriums ist eine Standortbeschreibung gegenwärtigen literarischen Arbeitens mit den Mitteln der Literatur. Das Labratorium bietet Anlass und Rahmen des Reflektierens und Forschens von Schriftstellerinnen und Schriftstellern mit, an und durch das Material ihrer Arbeit, der Sprache. Laboratorium: Gegenwart schreiben | Erstes Treffen weiterlesen
Laboratorium: Gegenwart schreiben | Einladung an die KollegInnen
Das Laboratorium möchte einen internen Forschungsraum ermöglichen, in dem vor den wie auch immer projizierten Anforderungen einer phantomatischen Öffentlichkeit eine gewisse Ruhe und Schonung für Austausch und Verständigung mit und durch unsere Arbeit gewährleistet werden kann.
Die Idee zu einem Laboratorium reagiert auf das Verschwinden von Schutz- und Absonderungsräumen innerhalb des Literaturbetriebs im engeren Sinne und versucht, gegen den Vereinnahmungsdruck von Markt und Medien die Bedeutung spezifisch literarischer Verfahren des Denkens und Zusammenfügens sichtbar zu machen. Das kann Literatur allerdings nur als Literatur, und eben nicht durch Ausweichen in Gebiete der Kulturwissenschaften und/oder der von den Medien angebotenen Verkündigungspositionen für Gross- und Kleindeuter. Laboratorium: Gegenwart schreiben | Einladung an die KollegInnen weiterlesen
Bericht WEISSE SEITEN Treffen vom 11./12.12.09 in Romainmôtier
Nach langen Überlegungen, wie der Bericht über das erste Treffen der WEISSEN SEITEN so zu schreiben sein könnte, dass sich in ihm etwas von der Erfahrung, die wir bei unserem Treffen machen konnten, vermittelte, fiel mir die Arbeit von Hiroshi Sugimoto, die er THEATERS nennt, ein.
Er fotografierte in den glamourösen amerikanischen Lichtspieltheatern der 30er Jahre und in den Autokinos der 50er Jahre jeweils ganze Filme. Die Belichtungszeit dauerte so lange wie der Film. Dabei zogen tausende Einzelbilder vorbei und schwärzten das Negativ. Im Abzug erscheint dann die Filmleinwand als strahlende weisse Seite, die den Raum illuminiert.
Bericht WEISSE SEITEN Treffen vom 11./12.12.09 in Romainmôtier weiterlesen
Überlegungen zu dem Projekt: WEISSE SEITEN im L’Arc Romainmotier 11./12.12.09
1. Künstler, Intellektuelle, Kulturvermittler arbeiten am Imaginären der Kultur. Wie ist es um diese Arbeit bestellt? Und natürlich schliesst das die Frage ein, wie ist es um das kulturelle Imaginäre bestellt, in welchem Zustand ist es und wie äussert es sich? Diese Fragen lassen sich nur als Auseinandersetzung, als Arbeit des Fragens und der Fragen beantworten, bzw. bewegen. Unser geplantes Zusammentreffen in Romainmotier möchte sich dieser Arbeit annehmen.
Überlegungen zu dem Projekt: WEISSE SEITEN im L’Arc Romainmotier 11./12.12.09 weiterlesen
Monatsgast im Magazin Reflexe 2010
In der neuen „Reflexe“-Serie „Monatsgast“ von Radio DRS2 blicken Kulturschaffende auf ihren vergangenen Kulturmonat zurück. Im Gespräch mit Karin Salm erzählt Friederike Kretzen, warum sie im Januar wieder Werke von Heinrich von Kleist hervorgeholt hat. Hier kann man die Sendung als Podcast abspeichern: Podcast
Schreiben Bild Montage | Am Beispiel Godard
Ausschreibung Frühjahrssemester 08
Godard sagt zu seiner Art Filme zu machen: „Wenn der Film fertig ist, ist er auseinander genommen.“ Womit er sehr genau das Verfahren, das seine Filme nicht nur anwenden, sondern was sie so einzigartig ausmacht, benennt. Godards Filme sind präzis montierte Konstellierungen von Geschichte in all ihren Schichten. Eine Geschichte wird in ihre Ansichten zerlegt, geordnet und so in ungeahnte Zusammenhänge gestellt, die die Geschichte zu einer anderen Geschichte machen. Die Art, wie er, was als Bilder, Töne, Bewegungen vor unseren Augen und Ohren abläuft, auseinander nimmt, ist eine Versuchsanordnung, all das zum Sprechen zu bringen, was als Geschichte noch immer oder immer wieder nicht gesehen, nicht erkannt, nicht zur Sprache und ins Bild gebracht worden ist.
Godards Art des Erzählens, Montierens, Auseinandernehmens möchte ich mit Ihnen analysieren. An seinen Filmen können wir erfahren, dass Auseinandernehmen Zusammenfügen bedeutet; zugleich wollen wir über Schreiben und Sehen, Sprache und Bild, Geschichte und Geschichten nachdenken.
Montage mon beau Souci
Ausschreibung Frühjahrssemester 09
‚Montage mon beau Souci’ schreibt Godard in seiner L’Histoire du Cinema. Was meint er damit? Kann eine Sorge schön sein? Kann meine schöne Sorge Montage sein? Oder bereitet meine Sorge meine Montage? Was ist überhaupt Montage? Was hat sie mit Schönheit zu tun und was mit meiner Sorge? Wie tragen wir Sorge? Beispielsweise die Sorge um uns, um Sprache, um Bilder, um Geschichten und Geschichte? Ist Montage eine Art Sorge zu tragen? Wie können wir uns die Montagearbeit der Sorge und die Sorgearbeit der Montage vorstellen? Vielleicht so schön wie die Filme Godards. Die uns auf einzigartige Weise erlauben, die eigene Sorge als eine Frage der Montage schön zu finde .
Godards Art des Sorgetragens, des Montierens, Erzählens und Auseinandernehmens möchte ich mit Ihnen analysieren. An seinen Filmen können wir erfahren, dass Auseinandernehmen Zusammenfügen bedeutet. Zugleich wollen wir über Schreiben und Sehen, Sprache und Bild nachdenken und wie zusammengefügt sie sind.
Fiktion – Dokument – Montage | Godards Kino
Ausschreibung HS 08
Godard sagt, er mache Filme, um sehen zu können. Aber was ist Sehen? Woher wissen wir, dass wir sehen und dies nicht nur denken? Wie lässt sich sehen, was nicht zu sehen ist? Die Wirklichkeit zum Beispiel, die Liebe, der Tod, das Leben?
„… das Leben füllt die Leinwand wie ein Wasserhahn eine Badewanne, die sich gleichzeitig in selbem Masse wieder leert…“ schreibt Godard. Seine Filme füllen die Leinwand, die sie leeren. Sie leben und zeigen zugleich die Bewegung des Lebens. So kann Leben im Film sichtbar werden und dabei lebendig bleiben.
Montierende Künstler wie er haben nicht nur Ich’s, die anders sind, sondern machen auch anders Filme. Jeder seiner Filme ist nicht nur anders, sondern auch noch ein anderer Film und ein Film über anderes. One Plus One heisst einer, der aus zwei Filmen besteht, die so ineinander geschnitten sind, dass das, was wir sehen, ein dritter bis vierter Film ist.
Montieren ist allerdings nicht nur eine Art, etwas zur Erscheinung, zum Bild, zur Sprache zu bringen, sondern auch der Versuch, etwas sichtbar zu machen, was nicht sichtbar ist und was vielleicht gar nicht existiert. Godards Filme haben mit Freiheit zu tun, mit Belebung, Belichtung. Denn das Kino müsse der Realität wieder herausrücken, was es ihr genommen habe. Das sei seine Art, uns daran zu erinnern, dass wir leben müssten, sagt er.
Den vielfältigen Zusammenhängen von Leben, Fiktion, Kino, von Montage und Bilderfolge, wie sie uns Godard in seinen Filmen sichtbar und erfahrbar macht, möchte ich mit ihnen nachgehen, und sie auf ihre Gelenke und Gelenkigkeiten hin befragen. Was kann all das mit Geschichte und Geschichten zu tun haben, mit dem Raum zwischen den Menschen und zwischen den Zeiten?
Werkgespräch mit Klaus Merz, Schweizer Monatshefte Oktober 09
Heimweh des Gestrichenen – Gestrichenes Heimweh
1.
Liesse sich mit dem Gestrichenen anfangen? Wie? Wäre das ein gestrichener Anfang? Oder ein Anfang, der jede Anfänglichkeit streicht?
Was würde es für unsere Fragestellung heissen, wenn Gestrichenes und Nicht-Gestrichenes zunächst und als Anfang in eins fielen? Wenn sie sozusagen aus dem selben Bett gestiegen wären, das dann weder im einen noch im anderen mehr auftauchte?
Das gemeinsame Bett von Gestrichenem und Ungestrichenem wäre ein guter Anfang. Die Frage ist nur, wie kann die Sprache darauf kommen? Also auf das, was weder zu streichen, noch nicht zu streichen ist, auf das Unstreichbare der Sprache selbst. Ihm ist nicht mit Ja, nicht mit Nein, nicht mit Sprache und ohne Sprache auch nicht zu begegnen.
Das Unstreichbare steht vielleicht an jedem Anfang, nur können wir mit ihm nicht anfangen, es ist ja schon da. Ungestrichen und klar.
Heimweh des Gestrichenen – Gestrichenes Heimweh weiterlesen

