Alle Beiträge von friederike

Mit dem Schreiben zurecht kommen; möglichst ohne Recht zu behalten.

 Für wen wir schreiben. Vierte Runde.

Sie haben alle schon erfahren, dass ein Wort alles verändern kann. Nicht nur in einem Text. Dass mühsames Arbeiten an einem Text ihn nicht gelungener macht, dass es aber manchmal der Mühe lohnt und sich so eine ganz neue, unerwartete Wendung ergibt. Wie können wir wissen, woran wir sind im Scheiben, wenn wir mittendrin stecken und keinen Überblick haben. Mit dem Schreiben zurecht kommen; möglichst ohne Recht zu behalten. weiterlesen

Die blauen Hunde von Dharavi / NZZ 29.5.13

Im grössten Slum von Mumbai kann man den Menschen bei der Arbeit an der Globalisierung zuschauen.
Von Friederike Kretzen

Ich habe blaue Hunde gesehen. Sie leben im Zentrum von Mumbai. Ihr Fell ist einmal weiss gewesen mit hellbraunen Flecken auf dem Rücken. Dann haben sie – wie Hunde das tun – von dem Wasser getrunken, das in flachen Rinnsalen durch die Gassen sickert, und sie sind blau geworden. Bis zu den Ohrenspitzen. Auch das Weiss ihrer Augen. Seitdem sind sie die blauen Wächter eines Stadtgebiets, das sie bewohnen und hüten, denn sie sind ja Hunde.
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Zu Max Ernst NAISSANCE D’UNE GALAXIE / BAZ 24.5.13

Lucy in the Sky with Diamonds, – die Beatles sagen, mit LSD hätte diese ihre Lucy nie was zu tun gehabt – doch wie auch immer, sie lag in jenen Jahren in der Luft, in der auch dieses Bild zu schweben scheint. Das Bild einer Sternennebelgeburt, mehr Raumschiff als Bild und wie jede Geburt und jedes Bild eine Art Fahrt ins Blaue. Kleiner Ausflug also, früher Morgen im Universum. Wir haben uns lautlos aufgemacht, treiben hoch über dem Horizont in engem Bildrahmen, an den Seiten zusammengestaucht, weiter nach oben mitten im Geburtskanal. All das geschah, als ein paar Menschen ihre Füsse auf den Mond stellten, und die Träume der Erde von ihrem Muttertrabanten abgenabelt wurden.
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„Bretter ohne Welt“ FAZ vom 23.01.13

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Grosses Lob spendet Rezensentin Irene Bazinger diesem Roman über drei junge Menschen am Theater im Sommer 1982. Alle drei sind tagsüber mit der Produktion von Theaterstücken beschäftigt, abends sprechen sie in der gemeinsamen Küche über ihre Arbeit, so Bazinger. Nichts Dramatisches geschieht, doch diskutieren die drei so angeregt darüber, wie ein antiautoritäres, politisches Theater „ohne feste Aggregatzustände“ – selbst der Tod wird abgelehnt – aussehen könnte, dass Nostalgie gar nicht erst aufkommt, lobt Bazinger.
© Perlentaucher Medien GmbH
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FR Literaturkritik 12 | 7 | 2012


Aufrührerische Gefühle im Sommer 1982

In ihrem neuen Roman „Natascha, Véronique und Paul“ erzählt die Autorin Friederike Kretzen vom Sommer 1982. Das Buch ist eine Fortschreibung von Fragen, die in keiner Antwort ankommen können.

Sie konnten sich nicht vorstellen, jemals älter zu werden als vielleicht 28, 30 Jahre. Dabei wurden die Freunde Natascha, Véronique und Paul in Friedenszeiten geboren, in den Jahren des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders in Westdeutschland. Drei junge Erwachsene, die mit anderen im Sommer 1982 in einem selbstverwalteten Theater in Köln arbeiten. Sie sind masslos und anspruchsvoll, wild und belesen; sie leben aus Leibeskräften. FR Literaturkritik 12 | 7 | 2012 weiterlesen

Basel bei Woodstock | NZZ vom 31.5.12

Friederike Kretzens Roman „Natascha, Véronique und Paul“

Der neue Roman Friederike Kretzens beginnt wie mit einem Dreisprung, nur ohne Anlauf. Fast schon etwas salopp eröffnet er das Feld, auf dem er spielen wird: „Da war eine Frau. Véronique. Die war ich.“ Die Einheit von Ich und Geschichte, die das Erzählen in der ersten Person suggeriert, wird gleich auseinanderdividiert. An allen Ecken und Enden lässt Friederike Kretzen die übereinander getragenen Röcke ihrer Protagonistin hervorschauen. Deckung, im doppelten Wortsinn, gibt es nicht. Schon der nächste Satz deutet an, weshalb: „Und da waren ein Sommer und eine Zeit, und die war ich auch, zusammen mit ein paar anderen, übrig geblieben nach den grossen Kriegen.“
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Nein, der Aufbruch darf noch nicht vorbei sein / WOZ

Ein Text wie ein traumartiges Gespinst. Friederike Kretzen erinnert sich in ihrem neusten Roman an die kreative Identitätssuche in den frühen achtziger Jahren. Den aufgeladenen Sommer 82 verwebt sie mit der Vergangenheit von 68 und der Gegenwart.

Im August 2009 hörte Friederike Kretzen am Radio „Gedenksendungen“ zum 40. Jahrestag des legendären Woodstock-Festivals. Darin wurde vom Grossereignis der Hippies erzählt, als wäre es der Schlusspunkt einer Bewegung gewesen, die sich damit endgültig erledigt hätte.

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