Alle Beiträge von friederike

Räume von hier und da.

Sobald etwas eintritt, und sei es ein Stimmungsumschwung, ein Gedanke oder ein Textanfang, haben wir einen Raum, in den etwas eintritt und einen anderen Raum, von wo etwas kommt. Selbst wenn etwas aus dem Nichts hereinschneit oder vom Himmel fällt. Dann schneit es aus dem Nichts und fällt vom Himmel. Sollten wir das, von wo etwas herkommt, was dann hier reinschneit oder einfällt, als Aussenraum im Unterschied zu einem Innenraum bezeichnen wollen, so könnten wir auch sagen: Die Erde ist der Innenraum des Himmels. Oder das Nichts ist der Aussenraum der Erde. Was allerdings nichts an der Tatsache ändert, dass das Eingetretene, während es uns hier Gesellschaft leistet, nun woanders fehlt. Und wer weiss, ob sein Fehlen dort nicht beweint wird. Räume von hier und da. weiterlesen

Was ist schweizerisch?

Lange Zeit habe ich ohne jeden Begriff oder Vorstellung, was die Schweiz und das Schweizerische wären, verbracht. Ich fuhr auch nicht hin, sondern nach Indien. Das änderte sich erst am Ende des Studiums, als ich mit zwei Freunden eine kurz entschlossene Reise nach Italien unternahm. Und diesmal fuhren wir durch die Schweiz. Einer meiner Freunde kannte einen Musiker in Luzern und wir dachten, dass wäre doch eine prima Idee, bei ihm zu übernachten. Wo genau er wohnte, wussten wir nicht. Wir fuhren erst mal hin. Als wir am späten Abend in Luzern ankamen, gingen wir zielstrebig in ein Kellerlokal, wo wir denn gleich auf den Musiker trafen, und wir konnten auch bei ihm in der Wohngemeinschaft übernachten. Am Morgen, wir wollten früh weiter, sassen wir in der Küche, tranken Kaffee, als die Türe aufging und eine junge, nackte Frau eintrat. Was ist schweizerisch? weiterlesen

Schreiben wir für die Katz, für Hollywood?

Schreib-Projekt, Zürich, Schule für Gestaltung, Filmklasse 13.4. – 15.4.1993

Was geschieht, wenn wir Gesehenes, Gehörtes in Sprache zu fassen und in Schrift zu fixieren versuchen? Welche Bilder, welche Vorstellungen sind mit dem Schreiben verbunden und engen unseren Blick und unsere Umgangsweise ein, ohne dass wir es wissen? Wie verhält sich unsere Zielvorstellung von dem, was wir schreiben wollen, zu dem, was Schreiben überhaupt zu leisten vermag? Welche Idee von Realität und zielgerichtetem Verhalten liegt unserem Verständnis von Schreiben, Sprache und ihrem Gegenstand zugrunde?Wird dadurch die Erfahrung von Sprache als Wirklichkeit nicht eher verunmöglicht? Und mit Sprache als Wirklichkeit meine ich die unerbittliche Dimension von Sprache, die mit einfachem Willen und Konzepten nicht zu erwischen ist,-möglicherweise jedoch mit einem kleinen, zufälligen Blick beiseite. Schreiben wir für die Katz, für Hollywood? weiterlesen

Zur Erfahrung von gewaltiger Wirklichkeit in Texten

Studienbereich Theorie, HGKZ Literatur, Mai 1996

„Warum sich in Wörtern totstellen?“fragt Rolf Dieter Brinkmann in seinem Reise Zeit Magazin „Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand“. Und da er es nicht tun will und sich wehrt, indem er schreibt, auch da, wo er, wie er schreibt „keine Wörter mehr“ hat, gelingt ihm eine Zustandsbeschreibung der ihn umgebenden und durchdringenden Kultur. Allerdings ist diese Zustandsbeschreibung keine Beschreibung, sondern eben dieser Zustand, in dem die westdeutsche Nachkriegskultur als eine „Kultur, die auf undurchschauten Tierversteinerungen beruht“ deutlich wird. Und zwar so deutlich, dass wir uns beim Lesen als Teil dieser Versteinerungen und als Tier empfinden. Zur Erfahrung von gewaltiger Wirklichkeit in Texten weiterlesen

Was ist einfach? Einfach schreiben? Einfach sehen? Einfach verstehen?

Theoriepool Kultur und Gesellschaft,
Grundlagenangebot, HGKZ Februar 1997

Im Sprichwörterbuch gibt es zu einfach nur einen Eintrag: „Einfach, aber niedlich, sagte der Teufel und strich sich den Sterz erbsengrün an.“ Ist das einfach? Und wenn ja, was macht dieses Einfache aus? Die Einfalt des Teufels, wenn wir ihn uns mit seinem grüngestrichenen Schwanz vorstellen? Was ist einfach? Einfach schreiben? Einfach sehen? Einfach verstehen? weiterlesen