Kategorie-Archiv: Kritiken zum Werk

Kritik Deutschlandfunk BÜCHERMARKT, 09.6.17 

 

Von Dorothea Dieckmann

Dieckmann: Die bedeutendsten Neuerscheinungen finden sich oft am Rand des Buchmarkts, wo seit jeher die meisten Schätze gehoben werden. So ein randständiger Ort ist der Stroemfeld Verlag, der Hölderlin, Kleist, Keller und Kafka neu ediert hat, und so ein Buch ist Friederike Kretzens „Schule der Indienfahrer“. In 27 Lektionen zieht es den Leser in ein Delirium hinein, für das der Name, der Kontinent Indien steht: das verfehlte mythische Ziel des Ur-Kolonialisten Kolumbus, das Morgenland der drei Könige und der Hippies, das Jenseits der zu Tode beschriebenen und beschlossenen europäischen Geschichte. Wer aber sind die Indienfahrer, die Reisenden auf der Gegenroute des Go West, was treibt sie an? Kritik Deutschlandfunk BÜCHERMARKT, 09.6.17  weiterlesen

On the road again! BAZ 16.5.17

Von Christine Richard

Vielleicht sind wir alle in gewisser Weise Gespenster. Vielleicht ist das, was wir heute sind, nur ein Schatten von dem, was wir in unserer Jugend waren: vielseitig interessierte, abenteuerlustige Menschen, zärtlich, politisch tollkühn und sehnsüchtig nach einer Zukunft, die mehr ist als nur eine Verlängerung des Wohlstandschlafes.

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On the road again! BAZ 16.5.17 weiterlesen

Schule der Indienfahrer, Literaturhaus Basel, 3. 5.17

Friederike Kretzens Schule der Indienfahrer ist keine Sonntagsschule, auch kein Kindergarten, überhaupt keine Schule für Kinder. Es ist eine Schule für solche, die Kinder werden wollen. Man muss dazu bereits einiges Gepäck mitbringen. Man muss ein gewisses Alter und vorallem die Erfahrung des Alterns haben, um das Kind zu werden, das man noch gar nie war, nicht einmal damals, als man es war. In der Schule der Indienfahrer gilt es zur Unreife zu reifen. Oder: ein «altes Kind» zu werden. Schule der Indienfahrer, Literaturhaus Basel, 3. 5.17 weiterlesen

Fundsachen für Melancholiker

Phantasievolle Bücher erweitern unser Bewusstsein.
Alexander Cammann / DIE ZEIT Nº 26/201418. Juni 2014
 

Sie, liebe Leserinnen und Leser, glauben wahrscheinlich, dass Literaturredakteur ein Traumberuf ist. Immer auf der Couch liegen und schöne Bücher lesen, dann darüber ein bisschen schreiben – und dafür auch noch mehr oder minder anständig bezahlt werden: Das klingt zugegebenermaßen paradiesisch. Diesen Glücksverdacht muss man jedoch ganz realistisch relativieren: Die Bücher sind erstens so schön oft nicht, zweitens stapeln sie sich in Unmassen in unseren Büros, eine nicht enden wollende, reißende Flut, in der wir jeden Tag ums Überleben kämpfen, drittens gibt es ja leider die völlig inkompetenten Kollegen, die mit absurden Meinungen und noch viel absurderen Texten viertens bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, aufgrund Ihres, Sie sehen mir meine Offenheit bitte nach, eher schlichten Gemüts enormen Erfolg haben.
Melancholisch ist folglich unsere Grundstimmung – umso dankbarer also ziehen wir aus den turmhohen Stapeln jene Bücher hervor, die uns vielleicht trösten können. Das Handbuch der Ratlosigkeit ist so eines, der Einband aus ungewohntem grauen Schmirgelpapier: 37 kurze, alphabetisch geordnete, allesamt geniale Einträge, verfasst von ebenso vielen Autoren, unter dem Motto „Voraussetzung für das Gelingen von Ratlosigkeit ist das Bewusstsein von der Unmöglichkeit des Gelingens“ (Limmat Verlag, Zürich 2014).

Irre Parabel: NZZ am Sonntag vom 20.04.2014

Handbuch der Ratlosigkeit. L’arc/Limmat-Verlag, Zürich 2014
Wir kennen in Leder, Leinen, Pergament und Pappe eingebundene Bücher. So etwas haben wir aber noch nie gesehen: einen in Schmirgelpapier der Stärke 3M gebundenen Band, die raue, sandige Fläche selbstverständlich aussen. Ein Sammlerstück für Bibliomane, aber mehr als das: eine höchst originelle Anthologie mit 37 in die Sprache verguckten Texten. Seit zwanzig Jahren gibt es L’arc Romainmôtier – ein zum Migros-Kulturprozent gehöriges Künstlerhaus im Westschweizer Jura. Zu seinem Jubiläum haben Elfriede Czurda, Friederike Kretzen und Suzann-Viola Renninger dieses schöne Buch herausgebracht. Irre Parabel: NZZ am Sonntag vom 20.04.2014 weiterlesen

„Bretter ohne Welt“ FAZ vom 23.01.13

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Grosses Lob spendet Rezensentin Irene Bazinger diesem Roman über drei junge Menschen am Theater im Sommer 1982. Alle drei sind tagsüber mit der Produktion von Theaterstücken beschäftigt, abends sprechen sie in der gemeinsamen Küche über ihre Arbeit, so Bazinger. Nichts Dramatisches geschieht, doch diskutieren die drei so angeregt darüber, wie ein antiautoritäres, politisches Theater „ohne feste Aggregatzustände“ – selbst der Tod wird abgelehnt – aussehen könnte, dass Nostalgie gar nicht erst aufkommt, lobt Bazinger.
© Perlentaucher Medien GmbH
„Bretter ohne Welt“ FAZ vom 23.01.13 weiterlesen

FR Literaturkritik 12 | 7 | 2012


Aufrührerische Gefühle im Sommer 1982

In ihrem neuen Roman „Natascha, Véronique und Paul“ erzählt die Autorin Friederike Kretzen vom Sommer 1982. Das Buch ist eine Fortschreibung von Fragen, die in keiner Antwort ankommen können.

Sie konnten sich nicht vorstellen, jemals älter zu werden als vielleicht 28, 30 Jahre. Dabei wurden die Freunde Natascha, Véronique und Paul in Friedenszeiten geboren, in den Jahren des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders in Westdeutschland. Drei junge Erwachsene, die mit anderen im Sommer 1982 in einem selbstverwalteten Theater in Köln arbeiten. Sie sind masslos und anspruchsvoll, wild und belesen; sie leben aus Leibeskräften. FR Literaturkritik 12 | 7 | 2012 weiterlesen