Kategorie-Archiv: Ausschreibungen

Veranstaltungen an der HGKZ zwischen 1997-2005

Was fehlt und wie davon schreiben?

Ausschreibung zur Sommerakademie Schrobenhausen 2017
Vom unsagbaren Leben.

Wann haben Ärzte aufgehört, ihre Patienten mit der Frage zu empfangen: Was fehlt Ihnen? Als wäre Kranksein etwas, das
einem fehlt, bzw. etwas, das macht, dass einem etwas fehlt.
Vielleicht fehlt uns heute diese Frage, vielleicht wäre sie
eine sanfte Form von Medizin. Zumindest wären wir nicht so
verantwortlich für unsere Befindlichkeiten, denn da ist etwas
in uns, das uns fehlt. Dem zu antworten wäre eine andere
Möglichkeit von Verantwortung. An der möchte ich gerne in
diesem Seminar arbeiten. Und gemeinsam mit Ihnen in kleinen,
abbrechenden, fragmentarischen Niederschriften, mit stockendem
Herzen, in winzigen Annäherungen versuchen, dem zu antworten,
das nicht aufgehört hat, zu uns vom Fehlen zu sprechen.

Schreiben wir für die Katz, für Hollywood?

Schreib-Projekt, Zürich, Schule für Gestaltung, Filmklasse 13.4. – 15.4.1993

Was geschieht, wenn wir Gesehenes, Gehörtes in Sprache zu fassen und in Schrift zu fixieren versuchen? Welche Bilder, welche Vorstellungen sind mit dem Schreiben verbunden und engen unseren Blick und unsere Umgangsweise ein, ohne dass wir es wissen? Wie verhält sich unsere Zielvorstellung von dem, was wir schreiben wollen, zu dem, was Schreiben überhaupt zu leisten vermag? Welche Idee von Realität und zielgerichtetem Verhalten liegt unserem Verständnis von Schreiben, Sprache und ihrem Gegenstand zugrunde?Wird dadurch die Erfahrung von Sprache als Wirklichkeit nicht eher verunmöglicht? Und mit Sprache als Wirklichkeit meine ich die unerbittliche Dimension von Sprache, die mit einfachem Willen und Konzepten nicht zu erwischen ist,-möglicherweise jedoch mit einem kleinen, zufälligen Blick beiseite. Schreiben wir für die Katz, für Hollywood? weiterlesen

Zur Erfahrung von gewaltiger Wirklichkeit in Texten

Studienbereich Theorie, HGKZ Literatur, Mai 1996

„Warum sich in Wörtern totstellen?“fragt Rolf Dieter Brinkmann in seinem Reise Zeit Magazin „Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand“. Und da er es nicht tun will und sich wehrt, indem er schreibt, auch da, wo er, wie er schreibt „keine Wörter mehr“ hat, gelingt ihm eine Zustandsbeschreibung der ihn umgebenden und durchdringenden Kultur. Allerdings ist diese Zustandsbeschreibung keine Beschreibung, sondern eben dieser Zustand, in dem die westdeutsche Nachkriegskultur als eine „Kultur, die auf undurchschauten Tierversteinerungen beruht“ deutlich wird. Und zwar so deutlich, dass wir uns beim Lesen als Teil dieser Versteinerungen und als Tier empfinden. Zur Erfahrung von gewaltiger Wirklichkeit in Texten weiterlesen

Was ist einfach? Einfach schreiben? Einfach sehen? Einfach verstehen?

Theoriepool Kultur und Gesellschaft,
Grundlagenangebot, HGKZ Februar 1997

Im Sprichwörterbuch gibt es zu einfach nur einen Eintrag: „Einfach, aber niedlich, sagte der Teufel und strich sich den Sterz erbsengrün an.“ Ist das einfach? Und wenn ja, was macht dieses Einfache aus? Die Einfalt des Teufels, wenn wir ihn uns mit seinem grüngestrichenen Schwanz vorstellen? Was ist einfach? Einfach schreiben? Einfach sehen? Einfach verstehen? weiterlesen